Georg Brandes an Arthur Schnitzler, 18. 10. 1914



*Herrn Dr. Arthur Schnitzler

*Kopenhagen 18. October 14
Verehrter Freund! Da ich erfuhr, dass die schwedische Akademie sich trotz ihres früheren Planes entschlossen hatte auch in diesem Jahr die Preise auszuteilen, wendete ich mich an das Comité. Man theilt mir mit:
Es ist ein purer Irrthum, dass Sie in diesem Jahre vorgeschlagen gewesen, Sie sind überhaupt nie in Vorschlag gekommen. Die Pflicht des Schweigens verbietet ihnen, mir mitzutheilen, wer vorgeschlagen ist. Aber man lässt mich verstehen, dass der Preis schon weggegeben ist.
Wollen Sie im folgenden Jahr in Betracht kommen, müssen Sie vor Ausgang des kommenden Jahres Januars von so vielen und so wuchtigen Namen wie möglich vorgeschlagen werden. Unter diesen ist der meinige Ihnen sicher. Man wird Sie wol aber kaum als »Idealist« auffassen, was die Bedingung ist. – Die schönsten Grüsse in dieser traurigen Zeit.
Ihr
Georg Brandes
    Bildrechte © University Library, Cambridge
    auch in diesem Jahr]
    1914 wurde der Nobelpreis für Literatur – im Gegensatz zu den Preisen für Physik, Medizin und Chemie – nicht vergeben. 1915 erhielt Romain Rolland den Literaturnobelpreis.