Robert Adam an Arthur Schnitzler, 9. 2. 1911

Wien, am 9. Februar 1911

Hochverehrter Herr Doktor!

Um diesen Brief zu entschuldigen, möchte ich zwei Verse aus »Neidhard« an die Spitze setzen: »Kein gröberes Geschäft auf Erden, – als einen Poeten loszuwerden.« Daß ich Ihnen wieder, und gar so rasch wieder schreibe, ist nämlich, scheint es mir, schon im Akt der Zudringlichkeit; und doch wollte ich nur alles in der Welt nicht, daß Sie, hochverehrter Herr Doktor, mich für zudringlich hielten. Ich weiß sehr wohl, daß Sie Wichtigeres zu tun haben, als sich bloß um das Schicksal meiner Komödie zu bekümmern (bei mir selber ist’s leider damit auch nicht viel anders bestellt.)
Wenn ich Ihnen schreibe, geschieht es nur, weil ich jetzt absolut nicht weiß, was ich mit diesem »Neidhard« anfangen soll. Soll ich ihn einem andern Verlag zusenden? und welchem? oder soll ich nun den verzweifelten Versuch unternehmen, einzelne Zeitschriften mit meinem Helden bekanntzumachen?
Sie waren so gütig, hochverehrter Herr Doktor, mir nach Fehlschlagen des Fischer’schen Versuchs die Erteilung weiterer Ratschläge in Aussicht zu stellen. Verzeihen Sie mir nun, daß ich Sie neuerlich quäle: aber wahrhaftig, ich weiß mir nicht zu raten noch zu helfen.
Bitte, helfen Sie mir den Karren noch ein bischen weiter schleppen! und seien Sie meiner Dankbarkeit und Verehrung versichert!
Ihr ergebener
Robert Adam