Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, [29. 10. 1910]

SCHLOSS GRÄTZ TELEGRAMME:

Samstag

mein lieber Arthur

Montag begebe ich mich von hier fort, nicht zu Fuß, bei Nacht und zornig wie Beethoven, sondern bei Tag, freundlich und in einem Automobil, auch wird mir auf dem Weg zwischen hier und Troppau nicht das Manuscript der Eroica aus dem Mantel fallen und in einen kothigen Straßengraben rollen, weil ich es – leider! – nicht bei mir habe.
Von Dienstag an bin ich dann in Rodaun und warte auf den Ruf, Euer Haus zum ersten Mal zu betreten und dieser Stunde durch Vorlesung des tiefsinnigen »Rosencavaliers« eine höhere Weihe zu geben.
Ich kann mir aber sehr wohl denken, dass die Proben zum Medardus sehr hernehmend sind und Sie ein dringendes Bedürfnis haben, des Abends Ruhe zu finden, dann lassen wir es halt bis nachher. Von Herzen Ihr
Hugo.
PS. Ich möchte nicht gern mit einem Ihrer Kinder in dauerndem Unfrieden leben, und da ich den Roman damals halb zufällig halb abssen habe, so bitte ich Sie jetzt, wo zwei Jahre darüber hingegangen sind, mir das Buch wieder einmal zu schenken, wenn Sie ein überflüssiges Exemplar haben.
    Vorlesung]
    Siehe A. S.: Tagebuch, 29. 11. 1910