Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 30. 9. [1910]



mein lieber, wenn Ihnen auch wie mir, inliegender Beſetzungsvorſchlag absurd erſcheint und die Beſetzung ClaudioGerasch / TodReimers als die richtigere, ſo tun Sie mir den großen Gefallen und bringen dieſe meine und Ihre Auffassung bei Berger *telephonisch in meinem Namen unter Berufung auf dieſen Brief vor.
Ich finde den Gedanken, Tressler eine geiſtige Geſtalt agieren zu ſehen, ſcheußlich und möchte das Ganze faſt lieber inhibieren, ſcheue aber dann wieder den *überflüſſigen Rummel. O ekelhaftes Wien! ekelhafteres Burgtheater! ekelhaft wenn es einen nicht ſpielt und noch fühlbar ekelhafter, wenn es Miene macht, einen zu ſpielen! (Gilt für mich, und nicht für Sie). Bitte depeſchieren Sie mir *hieher was Sie getan oder nicht getan haben.
Freute mich ſehr über den ſo ſtarken Erfolg der braven alten »Liebelei«.Wenn Sie ein überflüſſiges Exemplar vom »Weiten Land« haben, ſo trifft es mich von Dienſtag an auf Schloss Neubeuern am Inn und macht mir große Freude.
Ihr
Hugo.
    Bildrechte © University Library, Cambridge
    Besetzungsvorschlag]
    Es handelt sich um die Trauerfeier für Kainz, die am 23. 10. 1910 stattfinden sollte und bei der – neben anderem – der Der Tor und der Tod gegeben werden sollte. Gerasch bekam die ihm hier zugedachte Rolle, die Rolle des Tods sollte Albert Heine spielen.
    starken Erfolg]
    Diese war am 15. 9. 1910 im Burgtheater neuerlich inszeniert worden. Schnitzler weilte zu der Zeit in Frankfurt am Main, um der Uraufführung der Opernfassung am 18. 9. 1910 beizuwohnen.