Arthur Schnitzler an Max Mell, 26. 10. 1906

XVIII. Spöttelg. 7.
Wien, 28. 6. 1910.

Lieber Herr Dr. Mell.

Erst in den letzten Tagen bin ich dazu gekommen, Ihr neues Buch zu lesen, das wir bei einer Heimkehr von einer Schweizer Reise vorgefunden haben. Es war mir ein wirkliches Vergnügen die sichere und schöne Weiterentwicklung eines Talents darin ausgesprochen zu finden, dessen Anfänge ich schon mit Sympathie begleitet habe. Einen gewissen Manierismus, von dem sich in der ersten Geschichte vom jüdischen Sklaven noch Spuren finden, scheinen Sie nun gänzlich verlassen zu wollen. Die Erzählungen fliessen beinahe durchaus einfach und in einem unprätenziösen Verhältnis zum Grundeinfall dahin und der Grundeinfall selbst erweist von Fall zu Fall seine gesunde Art durch seine Fähigkeit allerlei kräftiges Detail zu produzieren, ohne das auch die bestgefundene Idee auf dem Wege hinauszusiechen pflegt.
Seien Sie herzlich bedankt und gegrüsst auch von meiner Frau und empfehlen Sie uns an Schwester
    Schweizer Reise]
    Er war von 17. 5. 1910 bis zum 2. 6. 1910 unterwegs gewesen.