Frank Wedekind an Arthur Schnitzler, 19. 6. 1910

Sehr verehrter Herr Doctor!

Neulich hatte ich die große Freude Contesse Mizzi auf der Bühne zu sehen und bin noch voll vom Genuß der Schönheit dieses vornehmen scharfgeschliffenen Kuntwerks. Contesse Mizzi erscheint mir als eine Meisterschöpfung, als der Urtypus der Komödie im besten Sinne des Wortes. Als Kunstwerk scheint mir das Stück ebenso ein Unicum zu sein wie es mir vor 7 Jahren Leutnant Gustl erschien. Ich kann es mir nicht versagen, Ihnen, dem ich schon so viele verschiedenartige Genüsse verdanke, meiner hellen Freude Ausdruck zu geben.
Seien Sie herzlichst gegrüßt. An unsern zufälligen Abenden ist sehr viel von Ihnen die Rede.
Mit verbindlichsten Empfehlungen auch von meiner Frau
Ihr ergebener
FrankWedekind.
München, 19. Juni 1910.
    Neulich]
    Am 11. 5. 1910 wurde im Schauspielhaus zum ersten Mal Komtesse Mizzi (gemeinsam mit Die letzten Masken und Literatur) gegeben.
    7 Jahren]
    Lieutenant Gustl lag bereits 1902 in Buchform vor.