Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 19. 9. [1909]

mein guter lieber Arthur

ich freue mich von ganzem Herzen dass Ihr ein zweites Kind habt. Ich kann mir denken dass Sie es sich im Stillen gewünscht haben, und es ist zu nett von Olga, dass Sie es Ihnen sofort geschenkt hat. Ja, ja, die eigenen Frauen sind doch etwas sehr nettes und vielleicht noch netter als die Frauen der Andern, was meinen Sie, Sie geübter roué, emeritierter Anatol etc., Sie Julian Fichtner, Waldemar von Sala – nein der Sala bin ja ich!
Kurz, ich freue mich sehr, dass für Heini der einsame Weg nun zu Ende ist und eine kleine Dämmerseele ihm Gesellschaft leisten wird, die sich hoffentlich bald zu einer griechischen Tänzerin entwickelt.
Ich hab Sie sehr lieb, mein lieber Arthur, und auch Ihre Arbeiten habe ich sehr lieb, das gehört ja dazu. – Von diesen allen hat mir aber die letzte: »Brüderlein Medardus Hiergeist« den allerschwächsten Eindruck gemacht, sowohl die Gestalten als die Fabel. Kommt das vielleicht daher, weil ich beides nicht kenne?
Ich habe eine Spieloper gemacht, die glaub ich hübsch ist. (Nicht so hübsch wie der tapfere Cassian) Und ferner bilde ich mir in den letzten Tagen stark ein dass ich meine (äußerst sehr veränderte) Florindocomödie in den nächsten Wochen fertig kriegen werde. Ich werde mich zu diesem Zweck etwas isolieren, vielleicht in München oder so. Auf ein gutes Wiedersehen und vieles sehr herzliche an Olga.
Ihr
Arthur