Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 1. 4. [1909]



*1 IV. Rodaun

mein lieber Arthur

ich danke Ihnen ſehr für Ihre guten Worte über Elektra. Dies iſt die reinſte Freude, von einem Menſchen, den man ſo gern hat. Ich habe Ihre Arbeiten immer gern gehabt, aber erſt in den letzten 4–5 Jahren iſt mir eigentlich der Knopf für ihren ganzen Wert aufgegangen *und ſeitdem habe ich mir angewöhnt, ſie mit ſo großer Freude wiederholt zu leſen.
Es iſt mir ſehr hart, Sie ſo gar ſelten zu ſehen. Nie habe ich eine Stunde mit Ihnen verbracht, die nicht von einem ganz beſtiten poſitiven Wohlgefühl, mehr noch des Gemütes als des Geiſtes begleitet geweſen wäre.Ich denke daran, *wenn Sie Ende Mai nach Tirol fahren, um Wohnung zu ſuchen, mitzufahren, auch ohne dieſen Zweck. – Es iſt nun bald zwanzig Jahre, daſs wir uns kennen.
Die Gedichte von Winterſtein haben mir zum Teil ſehr gut gefallen. Ohne allen Zweifel habe ich ſie damals (vor Monaten) an Sie zurückgeſchickt, denn ich bin in dieſem Punkt ſehr *genau und an dem einzigen Platz, wo ſie liegen könnten, liegen ſie nicht mehr. – Es ſchien mir eine feine, aber ſchwache Perſönlichkeit ſich zu äußern. –
Betreffs Elektra, ſo habe ich Fiſcher nicht ohne Mühe veranlaßt, ſeine Verlagsrechte an Fürſtner abzutreten. Hiefür bezahle ich an Fiſcher die Hälfte der von Fürſtner mir zufließenden 25%. D. h. von 10000 Exemplaren bekomme ich 12500 Mark, Fiſcher das gleiche.
Ihr
Hugo
*P. S.In 14 Tagen ſpielt die Després hier die Elektra. Referent über ſolche Dinge iſt Auernheimer. Nun iſt das ein anſtändiger und nicht übelwollender Menſch und ich wäre wahrhaftig froh nicht durch eine unangenehme Haltung ſeinerſeits wiederum auch gegen dieſe Figur in die gewiſſe defenſive *Haltung gerathen zu müſſen. Ich glaube daſs ein Geſpräch von 10 Minuten mit Ihnen hinreichen würde, ihm verſtehen zu machen worin die Qualität des Stückes liegt, – glaube aber auch daſs er ohne dieſes Geſpräch nicht auf dem niveau iſt, ſich zu dem Stück in ein loyales Verhältnis zu ſetzen, beſonders in ſeine Atmoſphäre. Vielleicht finden Sie die Gelegenheit. –
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    In 14 Tagen]
    Vgl. A. S.: Tagebuch, 16. 10. 1909
    Dinge]
    Die Besprechung des Gastspiels erschien nicht gezeichnet und äußert sich nicht explizit zu Elektra, nennt aber den Auftritt von Desprès im Stück das »künstlerische Ereignis des Abends«. (Gastspiel der Suzanne Després. In: Neue Freie Presse, Nr. 16040, 17. 4. 1909, S. 12.)