Arthur Schnitzler an Hermann Bahr, 20. 12. 1907

Dr. Arthur Schnitzler 20. 12. 907

lieber Hermann,

ich danke dir herzlich. So ungefähr hab ich mir Reinh.s Verhältnis zur Beatrice (u Verfaſſer) vorgeſtellt. Ich werde also mit VHebbel abſchließen – und darf wohl ausſprechen, daſs der Gedanke du und die Mildenburg wollten ſich der Ritscher und der Beatrice annehmen, mich höchſt wohlthuend berührt. In den Delirien meiner Frau kam es übrigens öfters vor, daſs du und die Mildenburg oben auf dem Kaſten ſaßen. Dieser Pl[atz] war Euch reſervirt; die übrigen Geſtalten trieben ſich in tieferen Regionen herum. Jetzt ſcherzt man darüber! So gut es Olga im ganzen ſchon geht – wir müſſen noch längere Zeit contumazirt bleiben. (Unser Bub wohnt ſeit 14 Tagen bei ſeiner Großmama). Alſo ob ich dich noch vor Deiner Abreiſe ſehen werde? Mir wärs natürlich ſehr lieb. (für alle Fälle ſei’s geſagt: ich bin ſorgfältig desinfizirt eh ich Briefe ſchreibe)
Vielleicht haſt du Zeit mir, wenigſtens in ein paar Zeilen etwas über dich zu ſagen; ich weiſs so gut wie nichts von dir. –
Herzlichſt grüßt dich (u meine Frau thut desgleichen)
dein
Arthur
contumazirt]
in Quarantäne