Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, 1. 11. [1907]

R., 1. XI.

mein guter Arthur,

wir kämen ja sehr gern – aber ich arbeite jetzt (ungefähr seit 2 Wochen) jeden Vormittag jeden Abend. Durch einen Abend bei Euch verlöre ich einen Abend und den nächsten Vormittag (und vielleicht durch Nervosität mehr als das) also muss ich leider verzichten.
Nicht wahr Sie bringen das Gespräch dann mit Auernheimer auf mich und speciell darauf, dass er den »Rodauner Aestheten« anführte als eine Figur die von Schaukal entzückt ist und der – Schaukal für seinen Dreck (um den sich das Feuilleton dreht) becomplimentiert. Fragen Sie ihn bitte welche meiner Arbeiten einer ähnlichen Characterisierung die Handhabe bietet.
Ich habe es so satt, nach 17 Jahren ziemlich ernsthaften Arbeitens in dieser Weise »ironisiert« zu werden – und in diesem Fall ist es ja kein Lausbub, sondern jemand anscheinend Anständiger. Also wozu?
Mein Stück ist ein recht sonderbares Ding. Wenns nicht misslingt – ist es viel wert, für mich meine ich. Jedenfalls gehen mir hie und da einige Ahnungen auf darüber wie das was man die Leute reden lässt wieder zurückwirkt auf die sogenannte Handlung (das Scenarium) u. s. f. u. s. f. Sehr einsam ist man in solchen Momenten, wie tief in einem Bergwerk, nur im Finstern irgendwo neben sich, aber weit, glaubt man einen andern hämmern zu hören. Sie z. B. So habe ich neulich den ersten Act vom »Ruf des Lebens« sehr aufmerksam gelesen, mit viel Gewinn (vielleicht auch für Sie.) Ich glaube das notwendige organische Stück steckt hier (wie natürlich). Sie sind aber wie mit geschlossenen Augen darüber hinweggegangen. (In der Scene MarieAdjunct steckt die Idee des Stückes.) Davon nächstens.
Ich glaube ich werde Sie plötzlich brauchen, zu Hilfe.
Adieu.
Ihr
Hugo.
Ich wüsste gern, wie denn überhaupt A. zu meinen Arbeiten steht, z. B. den prosaischen.
    Ich wüsste gern, wie denn überhaupt A. zu meinen Arbeiten steht, z. B. den prosaischen.]
    quer am linken Rand der zweiten Seite