Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, 25. 6. 1907



*Wien 25. 6. 907

Mein lieber Hugo,

morgen fahren wir nach Villach; – von dort aus wollen wir uns umſehen, ob wir irgd was (Veldes? Wochein? oder ſonſt wo) – wes gut geht, zu längerem Aufenthalt finden. Den Buben laſſen wir erſt nachkoen we wir wiſſen, wo unſres Bleibens. Der Roman, den ich nun tüchtig durchfeile, zum großen Theil natürlich neu ſchreibe, zieht mit. Das Winterſtück *hab ich weggeschmiſſen; nicht weggelegt, da ich in ein ſchlechtes Verhältnis dazu gerieth. Irgend ein Wurzelfehler war da, ſo daſs ich durch corrigiren nicht weiter kam. Vielleicht muſs der Stoff in andre Erde geſetzt werden, doch weiſs ich noch nicht in welche. Vorläufig gehn mir andre theatralische Einfälle näher. – Wir haben in der letzten Zeit viele Leute geſehen; es gab manche ſehr gute Stunden, mit Richard, Wassermann, Kainz, Fred, und andre; auch das Tennis war ſchön – nur lockt es mich *doch ins einſamere. Der Gräfin Thun hab ich die erſeelen geſchickt; ſie hat in einem ſehr liebenswürdg Telegra gedankt. Wie lange bleiben Sie noch am Lido? Von endgiltigem Zeltaufſchlag verſtändige ich Sie gleich. Ich hoffe Sie leſen im September was wundervolles vor.
Seien Sie, und Gerty herzlichſt gegrüßt, von Olga u mir.
Ihr
Arthur
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