Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler mit Beilage Christiane Thun an Hofmannsthal, [25. 5. 1907]



*Samstag

mein lieber Arthur

habe Brahm das Original vorgewieſen: 2975 Mark. Er bezahlt. Reiſe heute Abend, zunächſt Ravenna, dann Umbrien. Hoffe ich finde Sie noch in Wien oder nahe Wien gegen 10ten July. Ich empfinde es ſehr ſchmerzlich wie ſelten man ſich sieht. –
*Schicke Ihnen dieſen Brief der Gräfin Thun, geſchrieben noch nachdem ſie mir damals Adieu (für immer) geſagt hatte, weil es Sie wahrſcheinlich freuen wird, wie herzlich ſie in einem ſolchen Moment des letzten Überblicks Ihrer gedenkt.Wenn ſie davon kommt – es *ſcheint Hoffnung zu ſein – trotzdem die Operation ſehr ſchwer war – ſo beſuchen Sie ſie vielleicht im Sanatorium, oder ſchicken ihr vielleicht die erſeelen, die ſie noch nicht kennt.
Adieu. Ich freue mich von Herzen auf den Roman, das Stück, auf alles was Sie machen. *Denn ich habe noch nie eines Ihrer Bücher ohne tiefe Mitfreude wieder in die Hand genoen.
Adieu.
Ihr
Hugo.

*[Schreiberwechsel:] 21. 5. 1907
Ich habe mich sehr gefreut, Sie heute noch zu sehen. Nachdem Sie bei mir waren, bin ich ins Sanatorium gefahren. Es scheint hier sehr voll zu sein, & ich habe ein Schandloch auf die Gasse hinaus. –
Im besten Fall 4 Wochen hier zu sitzen ist eine abscheuliche Aussicht!
Leben Sie wohl! Sagen Sie Ihrer Frau viel Liebes von mir & seien Sie herzlich von mir gegrüsst!
*Danke noch für alle Ihre Freundschaft! Ich habe auch für Sie immer sehr viel Freundschaft gehabt.
Möge es Ihnen gut gehen! Das wünscht Ihnen von Herzen
ChristThunSalm
Wenn Sie Dtr. Arthur Schnitzler sehen, dann bitte grüssen Sie ihn herzlich von mir!
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