Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, [zwischen 3.–7. 2. 1907]



*lieber,

man ſieht ſich nie. Momentan ſind wieder Gerty und ich nicht recht wohl, können nicht in die Stadt. Ich habe böſes Aug, ſchlechten Hals, wehen Fuß. Kann nicht ſingen, nicht ſtehen, nicht ſchauen. Wünſche mir ſehr Geſellſchaft. Seid doch einmal im Leben nett (zum Unterſchied von dem † † † Bärenviehzeug). Es iſt jetzt ſo hübſch hier, Schnee und hübſch und dabei mild, alſo *kommt einmal her, oder Samstag oder Sonntag; oder zum Eſſen, oder zum Nachmittag oder zum Nachtmahl oder alles zugleich.
Depeſchiert ſchön gleich Eure werte Antwort.
Euer unvergleichlicher und ergebenſter Diener
Hugo
    Bildrechte © University Library, Cambridge
    böses Aug, schlechten Hals, wehen Fuß]
    Offensichtlich um diese auszuheilen reist Hofmannsthal am 12. 2. 1907 ins Südbahnhotel am Semmering, während seine Frau zuhause bleibt. Das Schreiben kann demnach nur mit nötigem Abstand zum einzig verbleibenden Wochenende im Februar 1907 davor entstanden sein.