Stefan Großmann an Arthur Schnitzler, 4. 5. 1906



Zentral-Organ der österreichischen Sozialdemokratie.
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Wien, am 4. Mai 1906

Sehr geehrter Herr.

Aus den Kreiſen der Wiener Arbeiterſchaft ſoll nun endlich, nach dem Vorbild der Berliner, ein Verein Freie Volksbühne gebildet werden, der mit einem aus allen Wiener Theatern zuſammengeſtellten Enſemble Vorſtellungen zu mäßigen Preiſen veranſtalten will, die an anderen Bühnen nicht gebracht werden.
Es hat ſich ein Komité gebildet, dem bisher angehören:
Reichsrathabg. Pernerstorfer
Regiſſeur Vallentin (der sich zur Leitung des Unternehmens bereit erklärt hat)
Schriftſteller Dr Robert Hirschfeld
Alfred Polgar
Theodor Antropp
Stefan Großmann
Arbeiterführer Leopold Winarsky
Buchdrucker K. Höger
*Die Statuten des Vereines hat Dr Harpner bereits ausgearbeitet
Dem Comité läge nun ſehr viel daran, wenn Sie, ſehr geehrter Herr, dem Ausſchuſſe beitreten wollten. Wir glauben, daß unſer Unternehmen, an deſſen Beſtand und Wirkſamkeit (vom Herbſt an) nicht mehr zu rütteln ſein wird, auch Ihren Wünſchen und Hoffnungen für das Theaterwesens Wiens entſprechen wird und würden es als Ehre und auch als große Freude empfinden, wenn Sie unſerem ſchönen Beginnen Ihre freundliche Mithilfe widmen wollten.
Eine conſtituierende Verſammlung des Ausſchuſſes ſoll Dienstag abends (gegen 10h) ſtattfinden. Wenn Sie daran theilnehmen wollten, würden Sie uns zu großem Dank verpflichten. Auch iſt der Unterzeichnete gern bereit, Ihnen *– wenn Sie es wünſchen – die nöthigen Aufklärungen über das Detail des Werkes mitzutheilen. Soviel ſei betont, daſs wir Mustervorſtellungen zu machen gedenken und daſs uns vor Allem eine Erweiterung des Spielplans der Wr Bühnen, die ja faſt durchwegs im Familienſtück zugrundegehen, unerläſslich erſcheint.
Die freie Volksbühne würde es ſich zur Ehre rechnen, Ihren Namen unter den Begründern dieſes bühne Unternehmens nennen zu dürfen.
Ihrer freundlichen Antwort gewärtig,
mit aller Hochſchätzung:
i. A.
Stefan Großmann
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