Arthur Schnitzler an Richard Beer-Hofmann, 30. 1. 1906

30. 1. 906

Lieber Richard,

dieser Tage hab ich die Bühnenexemplare des »Ruf« bekommen, hier ist eines, bitte sagen Sie niemandem, dass ich Ihnen eins geschickt habe, es wollen zu viele Leute eins haben.
Es war denkbar, dass ich Samstag auf ein paar Tage (Arrangirproben, Brahm’s 50. Geburtstag) nach Berlin fahre; dann will ich wieder zurück (hoffentlich), und am 17. komm ich mit Olga hin, zur Premiere am 24. –
Wie gehts Ihnen? Und Paula? Und den Kindern?
Herzlichst, mit Grüßen von uns beiden
Ihr
A.
»Der einsame Weg«
An Arthur Schnitzler
Alle Wege die wir treten Münden in die Einsamkeit, Nimmermüde Stunden jäten Aus, was wuchs, an Lust und Leid.
Alles Glück, und alles Elend Blasst zu fernem Widerschein.
Was beseeligend, was quälend,
Geht – lässt uns, mit uns allein.
Schritt ich eben nicht im Reigen?
Und was traf, das traf gemeinsam! Bietet keine Hand sich? – Schweigen Sieht mich an – der Weg wird einsam.
Ob ich stieg von Glückesthronen,
Ob ich klomm aus Leidensgründen – Dort – wohin ich geh zu wohnen, Wird sich keines zu mir finden!
Ein Erkennen nur, mit klaaren Augen, will mich hingeleiten:
Dass, auch vorher, um mich waren,
– Unerkannt – nur Einsamkeiten!

Rodaun, Mai 1906

R. B-H.