Charlotte Ehrenstein an Arthur Schnitzler, [nach dem 21.? 1. 1906]

Sr. Hochwohlgeb. Herrn Dr. Arthur Schnitzler.

Sehr geehrter Herr Doctor!

Von Ihrer gütigen Erlaubnis Gebrauch machend, gestatte ich mir über den Zustand meines l. Albert zu berichten. Am Samstag war Dr. Kornfeld nochmals hier und sah, dass Albert sich ziemlich beruhigte, daher entschloss er sich ihn in häuslicher Pflege zu lassen, womit auch mein l. Patient ganz einverstanden ist. Die Besserung macht nun, wie H. Dr. Kornfeld sagt, und auch ich bemerken kann, befriedigende Fortschritte und sind nun mein l. Mann und ich auch beruhigter.
Und nun gestatten Sie sehr geehrter Herr Doctor mir für die vielen Beweise von Hochherzigkeit, Güte u. Liebenswürdigkeit, welche Sie meinem l. Albert, meinem l. Mann u. mir erwiesen recht herzlichst zu danken, u. mir zu verzeihen, dass ich durch diesen traurigen Zwischenfall, diese so sehr in Anspruch nahm.
Nochmals Sie sehr geehrter Herr Doctor unserer steten Dankbarkeit versichernd, Ihre verehrte Frau Gemahlin um Verzeihung und Nachsicht bittend bin ich Ihre Sie verehrende
Charlotte Ehrenstein
    Samstag]
    Obzwar undatiert, dürfte dieses Korrespondenzstück durch die inhaltliche Übereinstimmung mit dem Brief von Adolf Treibl vom 29. 1. 1906 () am gleichen Tag geschrieben sein.