Charlotte Ehrenstein an Arthur Schnitzler, [22. 1.? 1906]



*Sr. Hochwohlgeb. Herrn Dr. Arthur Schnitzler.

Sehr geehrter Herr Doctor!

Von Ihrer gütigen Erlaubnis Gebrauch machend, geſtatte ich mir über den Zuſtand meines l. Albert zu berichten. Am Samstag war Dr. Kornfeld nochmals hier und ſah, daſs Albert ſich ziemlich beruhigte, daher entſchloſs er ſich ihn in häuſlicher Pflege zu laſſen, womit auch mein l. Patient ganz einverſtanden iſt. Die Beſſerung macht nun, wie H. Dr. Kornfeld ſagt, und auch ich bemerken kann, befriedigende Fortſchritte *und ſind nun mein l. Mann und ich auch beruhigter.
Und nun geſtatten Sie ſehr geehrter Herr Doctor mir für die vielen Beweiſe von Hochherzigkeit, Güte u. Liebenswürdigkeit, welche Sie meinem l. Albert, meinem l. Mann u. mir erwieſen recht herzlichſt zu danken, u. mir zu verzeihen, daſs ich durch dieſen traurigen Zwiſchenfall, dieſe ſo ſehr in Anſpruch nahm.
*Nochmals Sie ſehr geehrter Herr Doctor unſerer ſteten Dankbarkeit verſichernd, Ihre verehrte Frau Gemahlin um Verzeihung und Nachſicht bittend bin ich Ihre Sie verehrende
Charlotte Ehrenſtein
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar
    Samstag]
    Obzwar undatiert, dürfte dieses Korrespondenzstück durch die inhaltliche Übereinstimmung am selben Tag wie das Schreiben von Adolf Treibl vom Adolf Treibl an Arthur Schnitzler, [22.? 1. 1906] verfasst sein.