Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, 11. 9. 1905

Wien 11. 9. 905

lieber Hugo,

die Sache mit dem Burgtheater war ungeheuer einfach. Brahm schrieb mir Ende August, Schlenther habe ihn mit der Mission betraut, mich zur Einsendung meines neuesten einzusenden. Ich hierauf, nicht faul, schreibe Schl., dass ich eine fertige Komödie, u 2 Dramenakte auf Lager habe, er telegrafirt, noch fleißiger, soll ihm alles schicken; ich thu es, er antwortet 5 Tage drauf, der Entscheid über Drama bitte er bis nach Vollendung aufschieben zu dürfen, Komödie nehme er an Mitte October (ich hatte frühen Termin zur Bedingung gemacht), wolle meine Besetzungsvorschläge, er nimmt sie selben Tags ebenso telegrafisch an, und am nächsten Morgen steht die Notiz in der Zeitung. Es kommt hier vor Berlin; mit Brahm bin ich erst heut (vor 5 Minuten kam das endgiltige Telegramm) einig geworden; Verzögerung, weil er durchaus beide Stücke wollte – Mit dem Reinhardttheater wird sich wahrscheinlich nichts machen lassen; was sie mir im Lauf der letzten 10 Tage an (mildester Ausdruck) Schlampereien angethan, ist unglaublich. Der letzte Scherz war, dass ich Mittwoch ein Telegramm bekam dss ein ausführlicher Brief auf d. Wege – und der bisher nicht da ist. Es stand beinah schon fest für mich, dss die Sorma die Komödie spielen müsste. Über alles dies mündlich näheres. –
Wir bleiben bis nach 15. hier, wohl 20., denken dann auf 10 Tage fortzugehn, – Salzkammergut kaum; vielleicht nur Semmering. – Mit dem 3. Akt glaub ich zu einer Art Resultat zu kommen – das 3 mal einaktige des Stoffes ist natürlich nicht ganz zu besiegen, es kommt im wesentlichen, was man auch thut, dramatisch auf einen Schwindel heraus. Nun, das ist unser Metier.
Ich freue mich, dss Sie viel arbeiten, und sehe dem nächsten Vorlesungsabend mit schönster Erwartung entgegen. Was hat Sie so rasch aus Misurina vertrieben?
Wir grüßen Sie Beide Beide.
Herzlichst Ihr
A.
Sehen Sie Burckhard, grüßen Sie ihn sehr.
    Sehen Sie Burckhard, grüßen Sie ihn sehr.]
    neben der Anrede auf dem Kopf