Franz Blei an Arthur Schnitzler, 17. 10. 1903



*München, 17. 10. 1903.

Sehr geehrter Herr Schnitzler,

als ich vor acht Tagen den Dialog aus dem Reigen auf den Spielplan setzte, geschah es auf die Versicherung der Direktion der 11 S. hier, dass man das Aufführungsrecht schon erworben hätte, bevor ich mich um die Dramaturgie des Scharfrichtertheaters kümmerte. Dies stellte sich nun als ein Irrthum heraus; ich gab in der Kanzlei den Auftrag, Ihnen von der ersten Aufführung und dem Tantièmensatz Mittheilung zu machen – der Brief blieb liegen. Ich muss nun für diese Schlampereien um Entschuldigung bitten, obzwar mich keine Schuld an ihnen trifft. Natürlich setze ich die Scene sofort vom Programm, wenn Sie es wünschen, und vermag ich die Ungehörigkeit nicht anders gut zu machen als dass ich um Entschuldigung bitte und mich Ihren Wünschen füge. Der Tantièmenbetrag, der *pro Vorstellung ungefähr 3–4 Mark ausmacht, wird Ihnen umgehend übersandt werden. Sollten Sie die Freundlichkeit haben, nichts gegen die weiteren Aufführungen einzuwenden, würde die Scene bis zum 1. November allabendlich gespielt werden und betragen die Tantièmen dann mindestens 85 Mark, die Ihnen am 1. November zugehen.
Und nochmals: der Vorfall ist unentschuldbar, aber ich bitte Sie, verehrter Herr Schnitzler, den Willen, die Sache gut zu machen als Entschuldigung zu nehmen.
Ihr ganz ergebener
Franz Blei
P.S. Vor einigen Tagen schickte ich an die Adresse: Frankgasse ein Briefersuchen einer Miss Johnson an Sie, welche für die englische Bühne arbeitet und der ich die Uebertragung des Grünen Kakadu empfohlen habe. Die Dame ersucht Sie um Autorisation und Bedingungen.
B.
    Bildrechte © Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar
    Tantièmenbetrag]
    Fehler: »Tentièmenbetrag«.
    Frankgasse]
    Falsche Entzifferung der Abschrift: »Traubstrasse«, vermutlich dürfte Blei also »Frankstrasse« geschrieben haben. Zu diesem Zeitpunkt wohnte Schnitzler bereits mehrere Wochen in der Spöttelgasse.