Hugo von Hofmannsthal und Richard Beer-Hofmann an Arthur Schnitzler, [15. 2. 1903]

lieber Pornograph

wir denken es käme darauf an was für ein Verlag Ihr Schmutzwerk herausgibt. Ist es etwa Grimm in Búda-Pest? Dazu würden wir nicht rathen. Ist es aber ein ernster Verlag, die Ausstattung sehr ernsthaft und anständig (Illustrationen à la Coschelle würden diese Cochonnerie zum Gelächter Europas machen) dann geht es immerhin. Denn schließlich ist es ja Ihr bestes Buch, Sie Schmutzfink. Weder ist es so confus wie das Vermächtnis, noch so glatt wie die Liebelei, noch so snobish wie die Beatrice, noch so unsäglich langweilig wie Ihre läppischen Novellen, kurz, natürlich sollen Sie es herausgeben, unter dem Pseudonym Ludassy oder auch unter Ihrem eigenen Namen. Aber in einer anständigen Form. Das ist unsere Ansicht.
Sie müssen soviel Geld dafür bekommen (im Vorhinein, denn im Nachhinein wird es confiscirt) daß Sie Sich jedenfalls darüber mehr freuen, als Sie Sich später über das Schwätzen der Leute ärgern. Viele Leute werden es als Ihr erectiefstes Werk bezeichnen. Ob ich es an Ihrer Stelle herausgeben würde weiß ich nicht; jedenfalls würde ich Sie um Rath gefragt haben; geben Sie ihn mir also!
Ob ich es an Ihrer Stelle herausgegeben hätte? Unbedingt, gegen einen beträchtlichen Vorschuss und unter Ihrem Namen. (Der Vorschuss natürlich unter meinem Namen zahlbar.)
Verstehen Sie also, was wir Ihnen gerathen haben?
Ernstlich:
1) Summe
2.) Verlag entscheiden
3) Ausstattung
1.) Sehr groß, 2.) Sehr ernst (die war’s nicht, der’s geschah) 3.) Würdig, d. h. Papier stark – wie Ihr Talent Format einfach, und eher groß, ja nicht Taschenformat oder zierlich.
Genug.
Hugo
Ja!
Richard
Dieser Brief kann als Vorrede abgedruckt werden!
    Cochonnerie]
    frz. Ferkelei.
    Dieser Brief kann als Vorrede abgedruckt werden!]
    quer am linken Rand der letzten Seite