Hermann Bahr an Arthur Schnitzler, 10. 7. [1902]



*10. Juli

Lieber Arthur!

Denſelben Wiſch hat Burckhard bekommen, voriges Jahr Karlweis und Chiavacci, und mit derſelben Wirkung: einer Anfrage bei mir. Gesetzlich biſt Du verpflichtet, eine Antwort zu geben. Ich werde aber, wenn ich jemals befragt werde, antworten, daß ich das Einkommen *auch meiner nächſten Freunde weder kenne noch mir darüber Gedanken mache, weil es mich gar nicht intereſſiert.
Übrigens theile ich Dir der Wahrheit gemäß mit: 1) Daß in der Zeit vom 1. Januar bis zum 31. December 1901 überhaupt kein Stück von mir in Berlin aufgeführt wurde; *2) Daß in Wien am Deutſchen Volkstheater noch »Wienerinnen« weiter gegeben wurde, daß aber der eigentliche Zug dieſes im Oktober 1900 zum erſten Mal aufgeführten Stückes im Jänner 1901 bereits vorüber war.
3) Daß in Wien am Burgtheater der »Apoſtel« im November und December 1901 zehn Mal gegeben, die *Tantièmen hiefür erſt am 4. Januar verrechnet, erſt im Februar von mir behoben wurden und alſo nicht pro 1901 fatiert werden konnten. Und nun rechne Dir meine Reichthümer aus! Roman oder Novelle habe ich 1901 keine geſchrieben.
Herzlichſt
Dein alter
Hermann
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