Hermann Bahr an Arthur Schnitzler, 30. 12. [1901]



Telegramm-Adresse: Tagblatt, Steyrerhof, Wien. – Telephon Nr. 384. Staats-Telephon Nr. 36.
30. 12.

Lieber Arthur!

Danke ſehr für Deine liebe Karte. Du könnteſt mir allerdings in Berlin einen ſehr, ſehr großen Dienst erweiſen, wenn Du gelegentlich mit Brahm über mich ſprechen und ihm klar machen würdeſt, daß ich, bei allem, was man gegen mich ſagen kann, doch ſchließlich auch Jemand bin und daß ich gern in ein, wenn auch kühles, doch anſtändiges Verhältnis gegenſeitiger Duldung und beding*ter Anerkennung zu ihm kommen möchte. Ich leide ſehr unter meiner Erfolgloſigkeit in Deutſchland und bin ſchon ſo beſcheiden geworden, daß ich es als einen großen Erfolg empfinden würde, wenn er ſich nur entschließen könnte, ein Stück von mir anzunehmen und aufzuführen, meinetwegen in der ſchlechteſten Zeit, weil es mir dabei gar nicht auf die Tantièmen ankommt, ſondern auf den »literarischen Stempel«, *den nun das Deutſche Theater einmal ſeinen Autoren gibt und der mir noch immer fehlt, und darauf, von ſeiner »Clique« ernſt genommen zu werden. Er hat mir über den »Krampus« ſehr anerkennend geſprochen, ihn aber ſchließlich leider doch abgelehnt; ich werde ihn nun einladen, der Hamburger Première (am 12 oder 13 Januar) beizuwohnen; freilich ohne viel Hoffnung, ohne ihn noch *umzuſtimmen. Aber vielleicht bringſt Du ihn doch ſo weit, daß er ſich, wenn ich ihm wieder ein Stück ſchicke, es wenigſtens mit nicht im Vorhinein feindlichen Augen anſieht.
Aber bitte, thu das nur, wenn es ſich leicht machen läßt, ohne Dir unbequem zu ſein.
Ich bin rieſig neugierig auf Samſtag; mehr auszuſprechen verbietet mir mein Aberglaube.
Herzlichſt
Dein alter
HermannB
Prost Neujahr!
Den Novelli, der über den »Kakadu« noch immer nichts hören ließ, habe ich gestern dDringend gemahnt.
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    Krampus]
    Hermann Bahr: Der Krampus. Lustspiel in drei Aufzügen. München: Albert Langen 1902 (vordatiert von Dezember 1901).
    Première]
    Letztlich erfolgte die Aufführung in Hamburg am 14. 1. 1902 unter dem Titel Der Herr Hofrat.
    Samstag]
    Die Uraufführung von Lebendige Stunden am 4. 1. 1902 im Lessingtheater in Berlin.
    Den Novelli, der über den »Kakadu« noch immer nichts hören ließ, habe ich gestern dDringend gemahnt.]
    Den Novelli, der über den »Kakadu« noch immer nichts hören ließ, habe ich gestern dDringend gemahnt.
    In den Korrespondenzstücken, die von Novelli im Nachlass Bahrs überliefert sind, findet sich darüber kein näherer Aufschluss.
    ]
    Den Novelli, der über den »Kakadu« noch immer nichts hören ließ, habe ich gestern dDringend gemahnt.]
    In den Korrespondenzstücken, die von Novelli im Nachlass Bahrs überliefert sind, findet sich darüber kein näherer Aufschluss.
    quer am rechten Rand.