Arthur Schnitzler an Hermann Bahr, 10. –12. 9. 1901

mein lieber Hermann, ich schicke dir heute die 3 Einakter. Mein Bedenken, die Kürze des Abends betreffend, ist wieder rege geworden; und ich habe die Absicht, einen vierten Einakter, der mir gestern einfiel und in Sinn und Form zu den bis jetzt vorliegenden passt, zu schreiben. Ob ich gleich die rechte Stimmung dafür finden werde, ist natürlich noch nicht ausgemacht. Jedenfalls bitt’ ich dich, vor allem einmal diese 3 Stücke zu lesen, u. zw. in der Reihenfolge »1) Die Frau mit dem Dolch«. 2) Lebendige Stunden. 3.) Literatur. Es wäre schade, wenn der Abend an einem so äußerlichen Moment, wie dem der Kürze scheitern sollte. Allerdings glaube ich, dss dieses Bedenken weniger für Wien als für Berlin in Betracht käme.
Wenns dir recht ist, komm ich wieder einmal in den Vormittagstunden zu dir hinaus, sobald du die Sachen gelesen hast; es eilt durchaus nicht.
herzlich grüßt dich
dein
Arthur
Wien 10. 9. 901
Der Zufall fügte es, dass ich, durch ein teleph. Ersuchen Kadelburgs veranlasst, die Stücke in der Direktion überreichte. Ich bat, dass man sie dir zukommen ließe, was wohl bereits geschehen ist
Indess hab ich den vierten Einakter zu schreiben begonnen und hoffe, dass er sich, wie vielleicht noch ein fünfter dem Cyklus gut einfügen wird
herzlichst
A.
12. 9. 901.
    Kürze des Abends betreffend]
    Vgl. A. S.: Tagebuch, 6. 9. 1901.
    fünfter]
    Die letzten Masken. Am 16. 9. schreibt er an diesem und am Puppenspieler. Die Unterscheidung zwischen den zwei Stoffen ergibt sich aus der Formulierung »gestern einfiel« in diesem Brief, da bereits im Frühjahr eine erste dramatische Fassung der Letzten Masken entstanden war. (.) Die Arbeit geht schnell voran, so dass am 22. die Masken vorliegen, während Der Puppenspieler »noch auf ein oder zwei gute Stunden zur Vollendung« wartet (Bw Schnitzler/Brahm 95).