Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, [Anfang Juli 1901]

Jüdischer Millionärssohn, auf den Geldsäcken seiner Ahnen herumprotzender Komödiendichter, Freimaurer und Erniedriger des k. u. k. Hofburgtheaters, das hat Ihnen noch gefehlt, dass Sie anonyme Schmähkarten an anständige, sich das Brot mühselig verdienende deutsche Dichter senden, die zeitlebens gegen die Macht des Kapitals, gegen die Überhebung der Großen, gegen den am Mark des Volks zehrenden Adel und Militarismus gekämpft haben! Aber ich werde mich nicht abhalten lassen. Das nächste Jahr geht es nicht mehr gegen die Infanterieleutenants, sondern gegen die Cavallerieleutenants, insbesondre gegen die in der Reserve! –
Wie gehts Ihnen? Schade dass wir in Innsbruck nur so aneinander vorübergesaust und gesäuselt sind. Ich bin jetzt in St. Anton, friere, und hoffe bald in den Süden zu radeln. In Salzburg hab ich gearbeitet, jetzt weniger. Lassen Sie recht bald von sich hören. aber mehr. (An meine Wiener Adresse.) Die Schwestern grüßen Sie. Ich grüße Sie herzlich und bitte Sie auch Ihre Frau zu grüßen.
Ihr
Arthur
    Ich bin jetzt in St. Anton]
    Schnitzler hielt sich vom 30. 6. bis zum 12. 7. in St. Anton auf; am 4. 7. sendet er Richard Beer-Hofmann einen Brief mit ähnlichem Imhalt.