Arthur Schnitzler an Richard Beer-Hofmann, 4. 7. 1901

Herrn Dr. Richard Beer-Hofmann

St. Anton a (Arlberg)
4. 7. 901.

Mein lieber Richard, ich war zuerst 14 Tage in Salzburg, oesterr Hof, mit ihr, es war sehr schön. Dann 2 Tage Innsbruck (dass ich Schönberg aufgesucht habe, wissen Sie), dann fuhren wir nach Landeck, wo ihre Schwester kam, und nun sind wir in St. Anton – ich habe ein sehr behagliches Zimmer zu 60 Kreuzer in einem Privathaus, und es wäre sehr nett, wenn nicht das Wetter elend wäre. Wie lang ich hier bleibe, kann ich natürlich nicht sagen (daher bitte ich um Nachricht nach Wien), wahrscheinlich fahre ich von hier aus in die Schweiz. Anfang August soll ich dort Mama treffen (Flims von Reichenau – (ChurTham) aus 3 Stunden) auf etwa 8 Tage. Der Wörthersee fiel ins Wasser, weil Scharlachgerüchte umgingen, und überdies wollte Mama nicht zu Pundschu, weil ich nicht wußte, auf wie lang ich hingehn würde. Nun bin ich so weit von dort, dss ich Sie heuer im Sommer kaum sehn werde, wenn Sie nicht mir, resp. mir und Paul Goldmann (von dem ich übrigens noch keine bestimmte Nachricht habe) irgendwie entgegenkommen.
Haben Sie schon irgendwelche Augustpläne? Sie schreiben mir wenig, fast gar nichts über sich; was thun Sie? Arbeiten Sie? Wie gehts Ihrer Frau und den Kindern?
Salten ist auf Reisen, wie mir eine Karte von ihm flüchtig mittheilt, aus Brettlgründen. Ich schreibe ein 3aktiges Stück und glaube im Sommer damit und auch mit 2 Einaktern fertig zu werden. – An Hugo und Gerty sauste ich (resp. wir) in Innsbruck in einem Einspänner vorüber. – In Innsbruckversucht ich diesmal Tiroler Hof. Ich warne Sie. Es ist schmierig und versnobt. Das schönste bisher war natürlich Hellbrunn. Heuer zum ersten Mal hab ich auch das Schloss gesehn, innen (nicht das »Monatsschlößel«, sondern das ununterbrochene.) –
Leben Sie wohl und schreiben Sie bald.
Von Herzen Ihr
Arthur