Arthur Schnitzler an Richard Beer-Hofmann, 17. 2. 1900

Herrn Dr. Richard Beer-Hofmann

17. 2. 1900.

Mein lieber Richard, Paul wohnt Berlin, Hotel Saxonia, in der Königgrätzer Straße; sein Onkel heißt Fedor, und ich komme nicht nach Italien.
Was ich mache? – eine Novelle schreiben, an der ich zeitweilig Freude habe, meinem Ohrensausen zuhören und dem was es bedeutet, – mich meistens einsam, oder besser vereinsamt, oder noch besser – vereinsamend fühlen – Ihnen heut eine Beatrice geschickt haben – und Sie – ohne Neid – beneiden. –
Ich möchte aber auch wissen, was Sie machen, ob Sie sich wohl fühlen, ob sich Ihre Frau erholt hat, ob Sie was arbeiten, ob Sie Menschen kennen gelernt haben, ob Sie schon eine Nachricht von Hugo haben. –
Seit Sie und Hugo weg sind, bin ich fast nie im Club. Wassermann, auch Leo sind beinahe allabendlich bei dem asthmatischen Naschauer; ich war 2mal dort und habe bei dieser Gelegenheit einmal 21, einmal Poker mit Herzl und den Naschauerinnen gespielt. –
Ein neues Buch, von dem dampfenden Jüngling Messer verfasst, werd ich Ihnen schicken, damit Ihnen auch in Pegli einmal übel wird. – Der Roman von Wolff ist sehr anständig intentionirt und ohne Geschmacklosigkeiten.
Mit Vergnügen les’ ich die Kuh Hebbel Biographie. Den Götterliebling heb ich mir auf einen Frühlingstag auf dem Land auf. Denken Sie, dss Ihr Buch erst vor 2 Tagen hier in den Buchhdlg angekommen ist. Frau Elly Hirschfeld – um Ihnen nichts zu verschweigen – ist schon ganz, beinah ganz gesund, und Georg H. ist mir wieder viel sympathischer geworden. Frau Fulda ist seit ein paar Tagen in Wien, resp. Hietzing. – Schlenther hat die Bea. in im ganzen recht vernünftiger Weise zusammengestrichen und ist jetzt auch für Kainz Dichter, Reimers Herzog. Aber ich bin wieder schwankend geworden. – Über die Beatrice schreiben Sie mir nichts; vielleicht sagen Sie mir noch einiges, wenn Sie wieder zurück sind. –
Leben Sie wohl. Von Herzen
Ihr
Arthur