Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, 8. 10. 1899



*Berlin, 8. 10. 99.
mein lieber Hugo, geſtern Abend hab ich die Beatrice dem Brahm vorgeleſen; mir ſcheint, ſie hat auf ihn gewirkt, eigentlich hatte er keine Einwendungen, und jedenfalls kam ihm die Sache fertiger vor als mir, der ich ſie keinesfalls vorläufig aus der Hand gebe. Ich weiſs ſehr genau was noch daran zu machen iſt; und einiges wird auch gelingen. Die entſchiedenſte *Einwendg von Brahm war eigentlich der Monolog oder beſſer die Anrede des Andrea – das einzige Stückl, das Sie kennen, – das er ganz hinaus haben möchte. Ich las, mit einer Souper Unterbrechung von 7–12; ſo lang würde die Sache ungeſtrichen mindeſtens ſpielen!
Ich werde wahrſcheinlich Donnerſtag in Wien ſein; Paul Goldmann kot auch und wird etwa acht *Tage bei mir wohnen. Wann ſind Sie wieder in Wien? Es wäre ſchön, wenn G. Sie noch zu ſehen bekäme. –
Über das äußere Leben hier lieber mündlich. –
Ich weiſs nicht, ob Sie dieſes Anfangsfeuilleton von Bahr geleſen haben. Ich schicks Ihnen hier. Er iſt gewiſs nicht nur ein Aff, ſondern auch ein boshafter Aff. –
Wie geht’s Ihnen? Fließt die Arbeit *munter fort? – Daſs Ihnen das Stück ſich verſagen könnte, iſt ganz unmöglich; es geht in ſo reiner Linie vorwärts, daſs es nur mehr auf die rechte Stiung ankommt. Am Ende bringen Sie’s ſchon vollendet nach Wien? –
Das Deutſche Theater braucht ungeheuer notwendig ein oder mehrere Stücke. Br. hat ſo gut wie gar nichts. Meines will ich in jedem Fall zuerſt in Wien ſpielen laſſen; aber es eilt nicht. Ich habe viel vor und möchte wohler, möchte ganz geſund ſein.
Von Herzen Ihr
Arthur
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    Anfangsfeuilleton]
    Die Entdeckung der Provinz ist Bahrs erstes Feuilleton für das Neue Wiener Tagblatt.