Richard Beer-Hofmann an Arthur Schnitzler, 3. 10. 1899

Lieber Arthur 1.) Von Vahrn bin ich fort weil es in dieser Höhe circa 670m schon zu kühl ist.
2.) Dieses St. Michael liegt an der heuer eröffneten Überetscher BahnBozenKaltern –, nur eine Wagenstunde von Bozen. Meistens kommen hier nur die Leute die auf die Mendel fahren durch; ständig wohnen hier wenig Fremde. In unserem »Hôtel« außer uns Niemand. 3.) Auf die Idee hieherzukommen hat mich ein Eisenbahnplakat gebracht. 4.) Ich dürfte nicht länger als 2 Wochen noch hierbleiben. 5.) Ich bin im I Akt (der drei Abtheilungen hat), in der ersten Abtheilung im 5ten Versehundert. 433 Verse hats gebraucht bis ich den Helden auf die Bühne gelassen habe. 6.) Meine Laune wäre besser wenn ich mehr schlafen würde. Im übrigen hängt sie von der Arbeit ab. Viele Verse – gute Laune; wenig Verse – schlechte Laune.
O Gott! Was wird mir nicht Alles gestrichen werden. »Die Brillanten werden sie mer stehn lassen!« Antworten sie höflich: »Also Alles«!.
Ich grüße Sie herzlich
Ihr
Richard
Grüßen Sie Brahm und Kerr. Dem Brahm bringen Sie um Gotteswillen keine bessere Meinung von mir bei! Bis auf Weiteres laßen Sie mich für ihn »Ein Herr mit einem Monocle« sein.