Arthur Schnitzler an Gerhart Hauptmann, 15. 7. 1899



*Verehrteſter Herr Hauptmann,

die Redaction der Zeit, Singer, wendet ſich mit einem Erſuchen an mich. Bahr verläßt im October d. J. das Blatt, und nun ſoll es nach verſchiedenen Richtungen hin reorganiſirt werden. So wollen die Herausgeber z. B. daſs Hof*mannsthal, Burckhard und ich als ſtändig Mitwirkende ſich nicht nur betheiligen ſondern ſich in dieſer Eigenſchaft auch aufs Blatt ſetzen laſſen. Wir hätten Oeſterreich zu vertreten. Was nun Deutſchland anbelangt, ſo hätte Prof. Singer keinen lebhaftern Wunſch, als Sie *in gleicher Weiſe wie uns zu gewinnen. Er wäre glücklich, bei irgd einer Gelegenheit etwas von Ihnen zur Veröffentlichung zu bekoen – und wenn Sie nun gar die Erlaubnis gäben, Ihren Namen neben die unſern als den eines Mitwirkenden zu ſetzen, ſo glaubt er, daſs damit das Weſen und der Geiſt seiner Zeitung ſtärker *ausgedrückt werden könnte, als mit jedem Programm. Er hat mich gebeten, Ihnen das zu ſagen; in der Hoffnung, daſs Ihnen perſönliche Bekatſchaft das Antworten zu einer minder läſtigen Verpflichtung macht. Man wird ſich vorläufig an keinen andern Dichter oder Schriftſteller Deutſch*lands wenden, da man im Falle einer Zuſage Ihrerſeits jedenfalls auf Ihre Zuſtiung ev. auch auf Ihre Rathſchläge reflectiren möchte. –
Hiemit endet mein Auftrag. Perſönlich ſetze ich lieber nichts hinzu; – daſs Sie in keiner ſchlechten Geſellschaft wären, ſehen Sie ja – und gebunden ſind *Sie in keiner Weiſe.
Ich ſende dieſen Brief an Brahm zu freundlicher Beförderung, da ich nicht weiſs, wo Sie ſind. Wo immer: ich hoffe Sie wohlgeſtimmt und eben daran, neues zu ſchaffen.
Von mir kann ich gleiches nicht ſagen; vielleicht daſs der Sommer noch gute Tage verbringt.
*– Sie hätten hier eine große Freude gehabt, wie die Leute Ihr Friedensfeſt aufgenommen haben. Beſonders der Schluſs des zweiten Aktes hat mächtig eingeſchlagen. Bekämen wir doch hier einmal die Weber zu ſehn.
Herzlich grüßt Sie Ihr Ihnen
wärmſtens ergebner
Arthur Schnitzler
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