Richard Beer-Hofmann an Arthur Schnitzler, 16. [6.] 1899

Seeboden 16/VII 1899.

Lieber Arthur! ich schreibe Ihnen an einem jener »Abende am Wasser« die Sie so fürchten, und die ich nicht sehr liebe. Auf den Bergen liegt neuer Schnee, tagsüber hat’s geregnet und in der Villa nebenan spielen 4 junge Mädchen bei offenem Fenster Clavier, singen »ich bin eine Wittwe« und tollen mit einer empörenden Lustigkeit umher die alles nur nicht jung und unbefangen ist.
Ich wollte mit meiner Antwort warten bis ich in besserer Stimmung wäre; aber wann wird das sein? Ich bin recht verstimmt und traurig; aus vielen Gründen; aus solchen die ich kenne und aus vielen anderen die ich nicht kenne, die aber sicher vorhanden sind und gegen die man noch machtloser ist als gegen die anderen. Von Mayer hatte ich dieser Tage Brief; er wollte näheres von mir hören wann wir unsere Fußpartie machen würden.
Am selben Tag habe ich einen Brief aus Wien erhalten daß Professor Fuchs bei meinem Vater (– Dr Beer –) grauen Staar diagnosticirte. Ich erhielt die Nachricht indirekt und wußte daher absolut nicht wie oder wo ich meinen Sommer verbringen würde. Habe daher an Mayer nur kurz geschrieben daß ich momentan nicht über meine Zeit disponiren könne.
Inzwischen habe ich bessere Nachrichten von meinem Vater; es hat noch 1–2 Jahre eventuell Zeit mit einer Operation u sein moralischer Zustand ist kein schlechter. Sollten Sie Mayer sehen so besprechen Sie mit ihm das Nötige wegen einer Fußtour; ich schließe mich an.
Wann wollen Sie hieher kommen? Schreiben Sie mir früher damit ich Zimmer etc. versorge. Vielleicht hole ich Sie an irgend einer Bahnstation ab.
Bitte wie ist Pauls Adresse in Frankfurt? Grüßen Sie Schwarzkopf und Hugo. Von Herzen
Ihr
Richard