Arthur Schnitzler an Georg Brandes, 15. 6. 1899

Verehrter Herr Brandes, ich denke, die Adresse Antoine, Direktor des theatre Antoine in Paris genügt; ich weiss wenigstens keine andere. Noch einmal wiederhole ich, dass ich Sie um nichts andres bitte, als Antoine zum baldigen Lesen des Manuscriptes aufzufordern; Ihr Name ist in Paris so berühmt wie anderswo (muß ich Ihnen das wirklich sagen?) mich kennt dort kein Mensch. Ich selbst habe mich um eine Übersetzung des »Kakadu« nicht bemüht; zwei Herren, einer, Soutif in Dresden, ein zweiter Bech, in Paris haben sich an mich um Erlaubnis gewandt; und wenn es sich machen ließe, wäre mir eine Pariser Aufführung natürlich sehr erwünscht. –
In den letzten Tagen habe ich wieder zu arbeiten begonnen; eine kleine Novelle, die ich gerade zu jener Zeit angefangen hatte, und in der mir heute alle möglichen Ahnungen zu zittern scheinen.
Ich freue mich, dass Sie endlich außer Bette sind; ich hoffe und wünsche Ihnen für weiterhin alles gute und schöne.
Ihr
Arthur Schnitzler
15. 6. 99.
    jener Zeit]
    Gemeint ist die postum veröffentlichte Novelle Die Nächste. Schnitzlers Tagebuch hält am 12. 6. 1899 die Weiterarbeit an der Novelle fest, an der er am 15. 3. 1899 – drei Tage vor dem Tod Marie Reinhards – zuletzt gearbeitet hatte. Er beendete sie »vorläufig« am A. S.: Tagebuch, 6. 7. 1899.