Arthur Schnitzler an Georg Brandes, 8. 5. 1899



*Lieber und verehrter Herr Brandes,

zugleich mit dieſem Brief geht ein neues Buch an Sie ab, das 3 Einakter von mir enthält. Sie werden ſchon ziemlich viel gegeben und insbeſondere der »Kakadu« amüſirt die Leute ſehr. –
– Weiter ka ich Ihnen heute kaum was ſagen. Vor ſieben Wochen iſt das Geſchöpf begraben worden, das ich von allen *Menſchen der Erde am liebſten gehabt habe, meine Geliebte, Freundin und Braut – die durch mehr als vier Jahre meinem Leben ſeinen ganzen Sinn und ſeine ganze Freude gegeben hat, – und ſeither dämmere ich hin, aber exiſtire kaum mehr. Aus der Fülle der Geſundheit und Jugend hat ſie eine blödſinnige und tückiſche Krankheit innerhalb zweier Tage ins Grab geriſſen, und ich habe ſie ſterben geſehen, bei vollem Bewußt*ſein ſterben geſehn. Bitte ſagen Sie mir kein Wort darüber. Ich mußte es Ihnen aber ſagen. –
Jener däniſche Schriftſteller hat ſich bei mir nicht blicken laſſen. Allerdings war ich einige Male von Wien abweſend. Laſſen Sie mich recht bald hören wie es Ihnen geht, ob Sie endgiltig geſund ſind und wie Sie mit Ihren Plänen für den Sommer ſtehn. –
Paul Goldmann iſt wieder in Frankfurt und reiſt viel für ſein Blatt.
*Richard Beer Hofmann hat zwei Kinder, Mirjam und Naemie, und befindet ſich wohl.
Ich grüße Sie von Herzen als Ihr
treuergebener
ArthSchnitzler
Wien 8. 5. 99.
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