Arthur Schnitzler an Hermann Bahr, Antwort auf eine Umfrage, 15. 2. 1899

*Wien, 15. Februar 1899.
Lieber Bahr!
Ob ein gerufener Autor erſcheinen ſoll oder nicht? Nichts iſt gleichgiltiger für das innere Schickſal der Première; nichts gleichgiltiger für das fernere Schickſal des betreffenden Stückes. Jeder Autor möge es daher in jedem Falle halten, wie es ihm beliebt. In Geſchmacks- und Stimmungsfragen gibt es keine Solidarität.
Herzlichen Gruß. Dein ergebener
Arthur Schnitzler.
Ob ein gerufener Autor erscheinen soll]
Der Brief erschien zusammen mit weiteren Antworten nach folgender wohl von Bahr verfasster Einleitung: »Zu dem Aufsatze ›Premièren‹ in Nr. 228 der ›Zeit‹, welcher anregte, dass sich die Autoren bei ihren Premièren nicht mehr dem Publicum zeigen sollen, sind uns folgende Zuschriften zugekommen:« Die anderen Antworten, durchwegs in Form eines an Bahr gerichteten Briefes: Emerich von Bukovics, Ernst Gettke, Leo Ebermann, Carl Karlweis, Philipp Langmann, Victor Léon, Oskar Blumenthal, Ernst von Wildenbruch und Otto Erich Hartleben; die Antwort von Max Grube in Gestalt eines Gedichts. Auf eine Reaktion Theodor Herzls in der Neuen Freien Presse vom 12. 2. 1899 (Nr. 12384, S. 8) wird hingewiesen.
Dein]
Drei weitere Antworten geben Duzbrüderschaft mit Bahr zu erkennen: Bukovics, Ebermann und Karlweis.