Hugo von Hofmannsthal an Arthur Schnitzler, [1. 1. 1899]



lieber Arthur, mir gehts hier gut und ich hab am Silveſterabend in der ſchönſten Stille die neue 2te Verwandlung vollendet. Heut war ich wenige Stunden in der Stadt, habs dem Richard vorgeleſen der es nun in Ordnung findet, ſo daſs ich’s nicht mehr zu Ihnen ſondern zum *Typieren getragen habe.
Habe auch Schlenther geſprochen. Haben Sie Nachrichten über den »Kakadu«?Neulich hab ich mir von 2 geſcheiten Leuten unſre ſchöne Juniradpartie durch Mitteldeutſchland aufſchreiben laſſen. Wir kommen am Hörſelberg und vielen ſchönen Sachen vorbei, *fahren über Ilmenau in Weimar ein, wohnen 4 Tage im »Erbprinzen« und ſind – hoffentlich – brav und luſtig.
Ich hab heut in Wien mit jemand gegeſſen und dann zuhaus geſagt, ich hab bei Ihnen gegeſſen. Da ich ſolche Lügen ſehr ungern hab *und auch dieſe nur halb in Zerſtreutheit geſagt habe, bitte dementieren Sie nicht, falls Sie zufällig meine Eltern ſehen.
Von Herzen Ihr
Hugo.
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    Baden, Julienhof]
    Hofmannsthal hielt sich vom 28. 12. 1898 bis 9. 1. 1899 in der Pension Julienhof in Baden auf.
    Heut]
    Die genauere Datierung des Briefes gelingt durch den Brief an Franziska Schlesinger vom 4. 1. 1899, worin er berichtet, am ersten Tag des Jahres kurz in Wien gewesen zu sein und dort ihren Brief vorgefunden zu haben.
    jemand]
    Wenngleich nicht mit Sicherheit zu belegen, ist es naheliegend, dass er seinen Eltern ein Treffen mit seiner späteren Frau Gerty verheimlichte.