Arthur Schnitzler an Hermann Bahr, 22. 4. 1897

Lieber Hermann,

ich bekomme eben einen Brief von dem dir bekannten Frl. Elsa Plessner, die dir eine Novelle eingereicht hat. Ich glaube mich zu erinnern, dass sie, die Novelle, als ich sie s. Z. im Mscrpt las, mir nicht misfiel, am Ende sogar gefiel – ich weiss nicht mehr genau. Meiner Ansicht nach ist eben benannte Elsa von einer unerträglichen Schlamperei in Stil und Arbeit; hat aber zuweilen Einfälle, die mit Sicherheit auf Talent schließen lassen. Wie weit es geht und ob sie es nicht eher zu ruiniren als weiter zu entwickeln gedenkt, kann ich nicht bestimmen. Aber es wäre vielleicht möglich sie auf einen guten Weg zu bringen. – Womit ich dir das Fräulein bestens empfohlen zu haben wünsche. –
Ich hoffe es geht dir gut; von Pariser Kunst werd ich dir manches erzählen können, wenn ich zurückkomme. Aber verlange keine Artikel von mir!
Herzlich grüßt dich dein
Arthur
Schnitzler
Paris 22. 4. 97.
    Novelle]
    Warten (erschienen im Magazin für Litteratur, Jg. 66, Nr. 29, 24. 7. 1897, Sp. 867–875).
    erinnern]
    Vgl. A. S.: Tagebuch, 19. 9. 1896.
    zurückkomme]
    Schnitzler war am 2. 6. wieder in Wien.