Arthur Schnitzler an Georg Brandes, 8. 10. 1896

8. X. 96. Wien.

Verehrtester Herr Brandes,

der vollständige Titel des Buches lautet:
Was den Artikel über die Censur in Polen anbelangt, so werden freilich wenige auf die Vermuthung kommen, dass er aus einem zehn Jahre alten Buch herausgeschrieben ist, – und ich möchte annehmen, dass das auch der Redaction der Zeit nicht bekannt war, von der Sie übrigens persönlich Aufklärung bekommen sollen. Ich sagte Ihnen schon im Sommer, dass man bei uns u. wohl auch in Deutschland keine rechte Vorstellung davon hat, in welcher Art Übersetzungen Ihrer Werke verfertigt und in welcher Art sie ausgenutzt werden. Vielfach ist sogar die Ansicht verbreitet, dass Sie selbst auch deutsche Artikel schreiben und manche Ihrer Sachen selbst aus dem dänischen ins deutsche übertragen.
All dies scheint Ihnen zuweilen doch ärgerlich zu sein; aber ich erinnere mich nicht, dass Sie sich irgend einmal dagegen öffentlich verwahrt haben.
Wäre es nicht doch schön und gut, wenn Sie das gelegentlich einmal thäten – nicht um Ihretwillen – aber um der allgemeinen Bedeutung willen, welche Fragen des literarischen Rechts und des literarischen Anstands zukommt. –
Verfügen Sie jederzeit über mich und seien Sie versichert, dass ich dem Künstler und dem Menschen gleich herzlich ergeben bin.
Der Ihre mit vielen Grüßen
ArtSchnitzler
    persönlich Aufklärung]
    Der Brief Hermann Bahrs an Brandes ist abgedruckt in Hermann Bahr, Arthur Schnitzler: Briefwechsel, Aufzeichnungen, Dokumente. Hg. Kurt Ifkovits und Martin Anton Müller. Göttingen: Wallstein 2018, S. 127.