Richard Beer-Hofmann an Arthur Schnitzler, 19. 9. 1896

Baden 19/IX 96

Lieber Arthur! Ich bin schon Mittwoch Abends in Wien und möchte gerne den Abend mit Ihnen beisammen sein. Schreiben Sie mir ob Sie frei sind und wann Sie mich abholen möchten. Außerdem, bitte, nehmen Sie mir für Donnerstag (Dörmann?) einen Sitz (neben sich – oder Ecke) ins Raimundtheater – ja?
Schließlich dachte ich heute Nachmittag an »Liebelei« und »Freiwild«. Sie machen das Leben – wissen Sie das Leben (nicht das Leben das »so ist wie – –«) sehr schwer. Duellirt man sich – wird man unfehlbar erschossen; Duellirt man sich nicht, – no da wird man doch erst recht erschossen – das ist schrecklich. Im übrigen könnten Sie nicht 6 Akte aus den zwei Stücken machen? Nur immer abwechselnd einen Akt von Liebelei und Freiwild spielen lassen?
Der Lobheimer wird im I Akt nicht gefordert, sondern statt des Mitterwurzer kommt ein Briefträger – der auch zweimal läutet, mit einem Expressbrief – der Fritz soll aufs Land zu seinen Eltern. Im II Akt (I. Akt Freiwild) beleidigt er –.
Im III Akt fährt er nach Wien Abschied nehmen (II Akt Liebelei).
Im IV Akt (II Akt Freiwild) überlegt er sich die Sache. Im V Akt (III Akt Freiwild) wird er todtgeschossen – »Gruppe« sagt die Sandrock. Im VI Akt (III Akt Liebelei) teilt mans dem »süßen Mädel« mit. Sehr feine Verkettung: Sonnenthal ist Geigenspieler am Josefstädtertheater! Die Schauspielerin ist an der Josefstadt, im Sommer im Badeort – Ischl – Ha! Bitte schlagen Sie mich nicht todt.
Herzlichst
Richard
Da ich sehe daß das Couvert durchsichtig ist und das »Todtschlagen« die Polizei beunruhigen könnte so nehme ich noch ein Couvert drüber.

R

    Mitterwurzer]
    Dieser hatte in der Uraufführung den »Herrn«, den betrogenen Ehemann, gespielt.