Richard Beer-Hofmann an Arthur Schnitzler, 24. 9. 1895

Gardone, Dienstag 24/IX 95

Lieber Arthur! Soeben erhalte ich von Riva nachgesandt Ihren Brief vom 21/IX. Fels – Hekuba senden Sie bitte für mich ebensoviel als Sie bereits gesandt haben. Wie zuwider müssen wir ihm sein! Später oder früher werden wir es auch merken.
Hier ist’s wunderschön; der See 20 Grad Wärme – und etwas zu heiß, wodurch mein Arbeiten wieder stockt.
Das mit dem »Blaßwerden guter Stücke« hat auch mich immer sehr traurig gemacht.
Das ist aber nicht von mir sondern von Plato! Wirklich!
Schreiben Sie mir doch recht viel oder zumindest oft, Sie sehen wie pünktlich ich antworte. Sagen Sie, sind in Wien auch alle Frauen jetzt läufig (l-ä-u-f-i-g)? Hier oder viel mehr auf der Reise schien es so. Manchmal angenehm, manchmal komisch und manchmal widerlich.
Daß Burkhardt die »Enthüllung von Frl. Dandler« (München?) lieber wäre als die Laubes begreife ich. Die Dandler ist übrigens auch Bahrs Geschmack, voraussichtlich auch der Doctor Luegers. Dass die Kallina überraschen wird, freut mich, vielleicht überrascht sie auch mich; jedenfalls grüßen Sie sie von mir – sie hat wirklich schöne Augen. Übrigens ist sie Ihnen so sympathisch weil Bahr sie gar nicht mag – was? Wann ist Liebelei? Das muß ich nämlich genau wissen, wegen meiner Ankunft!
Herzlichst Ihr
Richard
    Hekuba]
    Sprichwörtlicher Ausruf, der »Ist mir gleichgültig« bedeutet.
    die Laubes]
    Am 18. 9. 1895 wurde im Geburtsort Heinrich Laubes, in Sprottau, ein Denkmal für diesen eingeweiht.