Arthur Schnitzler an Richard Beer-Hofmann, 21. 9. 1895

Herrn Dr. Richard Beer-Hofmann
post restante

21. 9. 95

Lieber Richard, meine Karte haben Sie wohl. In Riva ist es mir nemlich vor 3 Jahren passirt, dass der Postbeamte mir die Briefe an mich nicht gab – ich verlangte damals die Einläufe durchzusehen, da entdeckte ich meine Briefe. Und ich hatte nicht gepfiffen! –
Die Leseprobe fiel gut aus. Frl. S. ignorirte mich, aber that sehr ergriffen von dem Stück, Nachmittag telephonirte sie en bon camerade. Sonnenthal hat »gute Hoffnung«. Beim 1. Akt wurde viel gelacht. Vom 3. verspricht man sich sichre Wirkung. Dem 2. scheint man am wenigsten zu vertrauen. Mitterwurzer war nicht anwesend; er spielt aber sicher, ließ sich officiell entschuldigen. Die Kallina wird überraschen. Dazu will Burckhard einen Einakter von Giacosa, Rechte der Seele geben; während der Leseprobe half er den Laube in Sprottau enthüllen. Ich wünschte ihm angenehme Enthüllung. Er sagte, die Enthüllung des Fräulein Dandler zöge er vor. –
Fels schreibt mir heute. Sie können sich denken. Er appellirt an uns zusammmen, die Summe ist 25 fl. Ich hab ihm gleich 10 fl. geschickt. Darf ich ihm auch für Sie was schicken? Auch an Hugo wandt ich mich bereits. –
Gestern war ich beim »Pelikan«. Dieses Blaßwerden guter Stücke ist seltsam. – Heute geh ich zur Eröffnung der Josefstadt. – Gearbeitet hab ich noch immer gar nichts; heute Nacht will ich anfangen. Glauben Sie? –
Das Datum der L. ist noch nicht festgestellt. –
Den Hugo hab ich gestern begegnet, vorgestern ist er zurückgekommen. Er sieht gut aus, »wettergebräunt«. Nach und nach wird man zu allen Worten Anführungszeichen machen müssen – das wird dann das Ende der Literatur sein.
Wie geht’s Ihnen? Nächstens schreiben Sie mir einen Brief statt einer Depesche; da werde ich weniger erschrecken und mich besser unterhalten. Ich wünsche Ihnen weiter gute Laune, gutes Wetter, gute Stimmung und lebhafte Empfindung Ihrer Freiheit und Ihres Lebens.
Herzliche Grüße Ihr
Arthur
    Heute]
    Gegeben wurde zum ersten Mal Die Doppelhochzeit von Victor Léon und Heinrich von Waldberg, Musik von Josef Hellmesberger.