Richard Beer-Hofmann an Arthur Schnitzler, 10. 9. 1895



Lieber Arthur, ich bin nicht in Kopenhagen; am Abend vor der Abreise entdeckte ich, daß ich gar nicht nach Kopenhagen wollte und sagte einfach ab. Ich hatte Sehnsucht, wirkliche Sehnsucht, allein zu sein. So einfach gieng es nicht. Ich mußte, oder, besser ließ mich bereden, in ein Compromiß zu willigen, nac nach welchem ich nicht sofort aber doch in 3–4 Tagen allein sein werde. Vorläufig ist *Frau Lou mit mir gereist; sie reist aber Ende der Woche ab. Offiziell ist sie verhindert nach Kopenhagen jetzt zu reisen und kann es erst im Oktober. Ich bitte das festzuhalten.
– Auch ihr gegenüber. –
Für alle Fälle habe ich an Gusti telegrafirt, ob sie nicht Ende der Woche koen kann und warte auf Antwort. So will ich allein sein. Aber – übrigens das lässt sich besser besprechen, als beschreiben. Hier ist *[es] einfach herrlich. Das Dorf liegt über der Brennerstrasse zirc über 1000 Meter hoch zwei einviertel Stunden mit Wagen von Innsbruck. Absolute Ruhe, ein kleines Gasthaus – »Jagerhof« für Fremde eingerichtet, aber absolut nicht Hôtel. Heute übernachtete ich in einem Bauernhof, weil mein Zimmer erst heute frei wird. Aber Frau Lou kot soeben an den Tisch. Adieu.
Herzlichst
Richard
    Bildrechte © University Library, Cambridge