Arthur Schnitzler an Hugo von Hofmannsthal, 17. 8. 1895



*Ischl, 17. 8. 95.
Mein Lieber Hugo, Ihren Brief habe ich beim Zurückkoen aus Wien gefunden. Dort bin ich 2 Tage geweſen und habe die Marionetten in Venedig u Hänsel u Grethel geſehen. An einzelne von dieſen Marionetten denke ich zurück wie an lebendige Schauſpieler, die ſich auch an mich erinnern müſſen. Im übrigen iſt Wien jetzt dumpf und übelriechend und es iſt gut, daſs ich wieder weg konnte. In Iſchl bleib ich nur noch bis Montag. Dann fahr ich per Rad nach Salzburg, mit Salten. *Auch Richard, dem ich Ihre Kränkung beſtellt habe, kot wohl hin, und die Frau Lou wird ſchon dort ſein. Wenn Sie mir gleich zwei Zeilen ſchreiben, ſo kann ich ſie mir noch in Salzburg post restante abholen u hätte eine große Freude. Donnerſtag radle ich nämlich weiter, auf einem bisher noch nicht definitiv feſtgeſtellten Weg nach München, wo das Rendezvous mit Goldma iſt. In M. bin ich mindeſtens bis 3. September (Briefe dahin auch post restante. Aber ich *werd Ihnen von meiner Radtour noch öfters ein paar Worte ſchreiben)
– Ich hab hier den erſten Akt zu Ende geſchrieben, und ein paar kleine Geſchichten, an denen mir vielleicht ſchon manches gelungen iſt. Sie wiſſen ja, meine große Sehnſucht: die ſehr einfache Geſchichte, die in ſich ſelbſt ganz fertig iſt. Eine Flaſche, die man ausgießt, ohne daſs es nachtröpfeln darf und ohne daſs was zurückbleibt. – Auch geht es mir heuer innerlich gut – es gelingt mir faſt jedesmal kleine Eitelkeiten und große *Hypochondrien davon zujagen, wenn ſie ſich melden wollen. Im ganzen fühl ich mich in dieſem Jahre um fünf Jahre jünger als im vorigen, was darin begründet iſt, daſs ich in weniger falſchen Verhältniſſen lebe als damals. Was Sie einmal von der Seele, die ier eine kindliche bleibt, ſagten, fällt mir ein. Es mag ſein, daſs Altwerden wirklich nur eine Schwäche iſt, von der man ſich befreien kann .  .  .  .  ſolang man eben doch eigentlich nur 33 Jahre alt iſt.
Leben Sie wohl, ſeien Sie herzlich gegrüßt. Und ſchreiben Sie eine Zeile nach Salzb.
Ihr
Arthur
Ich habe an Goldm. wegen Mamroth geſchrieben.
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    Ich habe an Goldm. wegen Mamroth geschrieben.]
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