Arthur Schnitzler an Richard Beer-Hofmann, 7. 6. 1895



Herrn n. a. Lieutenant
*Dr. Richard Beer-Hofmann
im k. k. Landw.-Inf-Regiment
Caslau Nr 12.

*Lieber Richard, warum ſchreiben Sie mir denn gar nicht?
Mit Fels gehn einige Dinge vor, die ausführlich zu erzählen zu langweilig wäre. Er muſs fort, in die Schweizdeutſche Militärgeſchichte. Ich erlaube mir ihm in Ihrem Namen wie in dem Hugos (mit dem ich ſchon geſprochen – er war ein paar Tage da, wieder Catarrh – abſolut unbedenklich) wie in dem meinen je zehn Gulden zu geben. Geht nicht anders.
*– Warum ſchreiben Sie mir eigentlich nicht? –
Fischer hat mir geſchrieben, mir einen Contract auf 5 Jahre für alle meine Werke, angeblich denſelben wie Hauptmann etc überſandt (Unterſchrieb noch nicht.) Will die Kleine Komödie (die ihm ſehr gut gefällt was mir unheimlich iſt) in der Collect. Fischer mit *Zasche’ſchen Illuſtr. bringen, will sie aber zuerſt in der Freien Bühne (Auguſtheft, ohne Illuſtr.) veröffentlichen. Wie denken Sie? –
An N. hab ich die 20 fl. geſandt; ich ſprach ihn zufällig am ſelben Tag, und er wollte ſie nicht nehmen, was ich aber *heftig abwehrte. – Die betreffende Dame – nun ſind Sie ja aus allen Sorgen – hat natürlich doch Lues gehabt – ſecundäre; auch im Mund. Wenn wir alſo bei dem Hugo’ſchen Märchen bleiben, ka man ſagen: Alles ist eingetroffen, nur – unberufen – hat das Pferd nicht ausgeſchlagen. – Daſs Sie *mir nicht ſchreiben, ist durchaus nicht ſchön. –
Herzlich der Ihre
Arthur
Haben Sie die Kritik Sokals über Sterben geleſen? Merkwürdig von Osten-Wengrafſcher Animosität durchtränkt.
Ich ſchreib jetzt an einem Stück. –
    Bildrechte © Beinecke Rare Book and Manuscript Library, Yale
    Pferd]
    Der Protagonist von Das Märchen der 672. Nacht stirbt am Hufschlag eines Pferdes.
    Osten-Wengrafscher Animosität]
    Die beiden Herausgeber der Neuen Revue, in der am 29. 5. 1895 die Rezension erschienen war.