Laura Marholm an Arthur Schnitzler, 15. 5. 1895

Schliersee, Oberbaiern

15. Mai 95.

Sehr geehrter Herr Doktor.

Den Musenalmanach von 94 hab ich noch nicht finden können, aber ich muß ihn haben und finde ihn schon. Das, was ich meine, ist vielleicht nur ein Erzeugniß der Einsamkeit, wo das Leben Einem zu dicht und stark an den Ohren klopft. Es ist sehr merkwürdig, daß ich es grade am stärksten in Glücksmomenten empfinde.
Ich freue mich auf ihre weiteren Bücher!
Heute nur eine Bitte: haben Sie nicht bemerkt, ob in der letzten Zeit von mir das eine oder andere Feuilleton: »Der Dichter des Weibmysteriums« oder »Weisse Fläche« in der N. freien Presse sichtbar gewesen ist? Man erfährt niemals was direct von daher. Und ich habe Niemanden in Wien, der mir darüber Auskunft gäbe. Sie sind doch Leser der N. fr. Presse und ich wäre Ihnen sehr dankbar für die Nachricht, ob das eine oder andere schon erschienen ist, oder bis Ende Mai erscheint, da ich das erstere Feuilleton bald in ein Buch aufnehmen will.
Also beste Grüße für diesmal. Kommt bald was von Ihnen?
Ihre ergeb.
Laura Marholm.
    Buch]
    Da der Text über Barbey d’Aurevilly erst am 2. 11. 1895 in der Zukunft (Bd. 13, S. 219–226) erschien, fehlt er in der 1. Auflage von Wir Frauen und unsere Dichter (Wien, Leipzig: Verlag der Wiener Mode 1895), wurde aber in die »Zweite umgearbeitete und wesentlich vermehrte Ausgabe mit 8 Portraits« aufgenommen (Berlin: Carl Duncker 1900, S. 271–289).
    Also]
    weiter quer am linken Rand