Hermann Bahr an Arthur Schnitzler, 25. 10. 1893

Deutsche Zeitung Wien, 25. Octbr. 1893

Verehrter Freund!

Der Mann um den es sich handelt heißt Johann Lukas Schönlein. Er ist der Begründer der sog. naturhysterischen Schule in der Therapie. Am 30. November sind es hundert Jahre, daß er geboren wurde und ich brauche also für diesen Tag ein nicht über sechs Spalten langes, populäres, byografisches Feuilleton. Können Sie mir das verschaffen?
Dabei wiederhole ich die bereits neulich durch Loris vermittelte Bitte um irgend eine Novellette, so kurz als möglich, die ich am Tage Ihrer Premiere bringen will.
Kann ich bis längstens Ende der nächsten Woche auf den ersten der versprochenen Beiträge zur Entdeckung von Wien bestimmt rechnen?
In herzlicher Freundschaft
[hs. Hermann Bahr:] HermannBahr
    byografisches Feuilleton]
    Nicht erschienen.
    neulich]
    Vermutlich beim Besuch Hofmannsthals am 22. 10. (A. S.: Tagebuch, 22. 10. 1893).
    Tage Ihrer Premiere]
    Am 1. 12. Premiere von Das Märchen. An diesem Tag erschien nichts von Schnitzler.
    ersten]
    Arthur Schnitzler: Spaziergang. In: Deutsche Zeitung, Jg. 23, Nr. 7883, 6. 12. 1893, Morgen-Ausgabe, S. 1–2 (heute in A. S. EV 152–156).
    Beiträge zur Entdeckung von Wien]
    Spaziergang eröffnete die Serie, die unter dem Titel »Wiener Spiegel« laufen sollte. Dem ersten Beitrag war eine erklärende Fußnote beigesellt: »Der ›Wiener Spiegel‹ soll in losen Skizzen die Wiener Welt, oben und unten, Gesellschaft und Volk, Salon und Straße bringen. Das ganze Wiener Leben will er Stück für Stück allmälig erzählen. Beiträge haben Ferdinand v. Saar, Emil Marriot, Ada Christen, C. Karlweis, Gustav Schwarzkopf, Vincenz Chiavacci, Karl Rabis, Theodor Taube, Hugo v. Hofmannsthal, Arthur Schnitzler, Dr. Beer-Hofmann, Hermann Bahr und Andere versprochen. Anmerkung der Redaction.« Nach dem zweiten Teil, Heunt is Sunntag! von Taube (Nr. 7887, 10. 12. 1893, Sonntags-Ausgabe, S. 1–2), und Bahrs Ausscheiden aus der Deutschen Zeitung wurde sie eingestellt.