Karl Kraus an Arthur Schnitzler, 11. 1. 1893

Karl Kraus Wien, 11/I 1893

I., Maximilianstr. 13.

Mein guter Herr Docter!

Anbei mit bestem Danke für Ihre frdl. Bemühungen 1 Sitz neben Ihren Freunden; nur Herr Schick sitzt ein paar Sitze vor Ihnen. Ich hatte nichts anderes, Doctor! Also Salten kommt auch? Na, das ist ja sehr schön! Das wird eine Hetz’ werden!! Bitte, lachen Sie mir nur nicht zu viel und machen Sie in der ersten Reihe ein recht freundliches Gesicht!
Ersuche höflichst, da ich 24 Stunden vor d. Vorstellung dem Director abliefern muss, bis Freitag mittag den Betrag 1 fl. 20 zu schicken. Ein kleines Deficit dürfte ich haben; alle Karten bring’ ich nicht an!
Ich bin sehr gerne bereit, eine kleine Notiz über Ihren »Anatol« in den »Neuen litterarischen Blättern« (Bremen, Herausgeber Franziskus Haehnel, Verlag Kühtmann) zu bringen. Nur müssten Sie einen Recensionsexemplarabgang an diese Monatsblätter von Ihrem Verleger erwirken.
Und nun herzlichen Gruß
von Ihrem sehr ergebenen
Karl Kraus
    Notiz]
    Diese schrieb nicht Kraus, sondern Josef Schmid-Braunfels (Arthur Schnitzler: Anatol. In: Neue litterarische Blätter, Jg. 1, Nr. 7, 1. 4. 1893, S. 87–88).