Fedor Mamroth an Arthur Schnitzler, 17. 11. 1892



Redaction.[1] Frankfurt a. M., 17. Novbr. 1892
Telegramm-Adresse:
Zeitung Frankfurt Main.

Sehr verehrter Herr Doctor!

Wollte ich mein langes u. ſcheinbar ſo unartiges Stillſchweigen zu erklären u. zu entſchuldigen ſuchen, ſo würde ich ſoviel Zeit u. Energie dazu brauchen, daß gleich wieder die Exiſtenz dieſes Briefes bedroht wäre. Begnügen Sie Sich deshalb mit der Verſicherung meiner warmen Sympathie u. meiner herzlichen Ergebenheit. Es ging nicht anders u. wenn Sie mich umbringen: In Angelegenheit des »Märchen« ſind mir die Hände gebunden; ich habe (außer ſchlechten) keinerlei Beziehungen zur hieſigen Theaterleitung, und überdies bin ich der ungeſchickteſte Menſch, wenn es darauf ankommt, mir und meinen Freunden zu nützen. Dieſes Talent muß man mit auf die Welt bringen wie der impertinente Burſche Herr Lothar, der ſich jüngſthin von hier aus inſcenierte.
Die neuen Dialoge ſandte ich dem Berliner Herrn, der in neueſter Zeit bei uns ſchöngeiſtige Literatur beſpricht, mit warmer Empfehlung. Jetzt wollen wir ſehen, was geſchieht. Die Novelle ſchicken Sie mir gefälligſt, wenn Sie ſich jeder Alluſion *auf das Gerücht, wonach es zweierlei Menſchen auf der Welt gebe, enthalten haben. Nein, ſchicken Sie ſie mir in jedem Falle, ich bin neugierig darnach u. verſpreche Ihnen, die Arbeit bald zu leſen.
Leben Sie wohl, ſehr verehrter Herr Doctor, ſeien Sie herzlichſt gegrüßt u. entſchuldigen Sie die innere u. äußere Müdigkeit dieſer Zeilen.
Ihr
ergebener
FMamroth
  1. 1 Für die Redaktion bestimmte Briefe und Sendungen wolle man nicht an die Person eines Redakteurs, sondern stets an die Redaktion der Frankfurter Zeitung adressiren.
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jüngsthin]
Die Uraufführung von Cäsar Borgia’s Ende fand am 12. 11. 1892 im örtlichen Schauspielhaus statt.
geschieht]
Eine Rezension von Anatol dürfte nicht erschienen sein.