Karl Kraus an Arthur Schnitzler, 31. 10. 1892

am 31. Oktober 1892.

Sehr verehrter Herr Doctor!

Herzlichsten und aufrichtigsten Dank für die Übersendung Ihres Buches und für die liebenswürdige Widmung!
Sie können sich vorstellen, wie ich mich damit gefreut habe. Das ist ja ein prächtiges Buch! und der Prolog von Loris ist sehr herzig. Aber ich bezahle Sie mit Undank. Denn – denken Sie sich nur nur: ich – will – eine – Kritik – drüber schreiben!! Nun ja, wenn ein Buch einmal in meine Klauen kommt!
U. zw. entweder »Gesellschaft« (Dezemberheft) oder »Wr. Allgemeine« – oder Feuilleton mit anderen Sachen.
Augustheft der »Gesellschaft (Burgtheateraufsatz) bekam ich unlängst zurück und sende Ihnen noch heute. Er ist leider in nicht sehr salonfähigem Zustand, und leider – mein einziges Exemplar!
Ich hab’ Sie (von weitem allerdings) bei der Premiere der »Orientreise« gesehn. Nun, das ist doch ein Schund? Wie hat es Ihnen ge- resp. missfallen?
Ach, nochmals ergebenst Dank für Ihre Liebenswürdigkeit und schönsten Gruß
von Ihrem
hochachtungsvollen
Karl Kraus
    Dezemberheft]
    Die Rezension erschien erst im ersten Heft des neuen Jahres (Karl Kraus: Arthur Schnitzler, Anatol. In: Die Gesellschaft, Jg. 9, H. 1, 1. 1. 1893, S. 109–110). Die Verschiebung auf das Januarheft könnte dadurch verursacht sein, dass im Dezember bereits zwei Rezensionen von Kraus erschienen.
    Premiere]
    Am 29. 10. 1892 im Deutschen Volkstheater. Ein Besuch Schnitzlers ist in seinem Tagebuch nicht verzeichnet.